Hypertensive Herzkrankheit

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Hypertensive Herzkrankheit: korrekte KodierungDie hypertensive Herzkrankheit betrifft den „Motor“ unseres Körpers – „das Herz“ – und bezieht sich auf den kompletten Herzmuskel. Damit besitzt es auch höchste RELEVANZ im Kodierprozess

Hypertensive Herzerkrankung – KOMPLEX  und  für alle medizinischen Disziplinen wirtschaftlich relevant!

Praxis Beispiel: Eine 75-jährige hypertensive Patientin wird (wurde) mit starker  Luftnot (Ruhdyspnoe) vorgestellt. Der Blutdruck lag  bei über 220/115 mmHg. Die Patientin klagte in der Notaufnahme weiterhin über

Gewichtszunahme, Appetitlosigkeit und zunehmende symmetrische Beinödeme.  Eine Nierenerkrankung konnte  sonographisch und laborchemisch ausgeschlossen werden. Bei der ambulant erfolgten  Koronarangiographie wurde eine Ein-Gefäß-Erkrankung diagnostiziert. Die stationäre Aufnahme war mit folgenden Diagnosen indiziert:

I11.01 Hypertensive Herzkrankheit mit kongestiver Herzinsuffizienz, mit Angabe einer hypertensiven Krise

I50.14 Linksherzinsuffizienz mit Beschwerden in Ruhe NYHA-Stadium IV

I50.01 Sekundäre Rechtsherzinsuffizienz

I25.11 Ein-Gefäß-Erkrankung

Krankheiten des Herz-Kreislauf-System sind in der „Spitzengruppe“ der Grunderkrankungen in Deutschland und stellen für alle medizinischen Fachgruppen eine wichtige Begleiterkrankung dar.

Die hypertensive Herzkrankheit ist eine Erkrankung des Herzmuskels durch chronischen Bluthochdruck (arterielle Hypertonie).
Als hypertensive Herzkrankheit werden alle krankhaften Hypertoniefolgen am Herzen verstanden. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck (Hypertonie) kann am Herzen zu verschiedenen Krankheitsbildern führen, die unter dem Begriff hypertensive Herzkrankheit zusammengefasst werden.

Die Ursachen für eine hypertensive Herzkrankheit ähneln denen, welche eine arterielle Hypertonie begünstigen. Bei den meisten Patientinnen und Patienten, bei denen eine diese Form der Herzkrankheit diagnostiziert wird, treten insbesondere Defizite in der hormonellen Steuerung des Blutdruckes sowie Schädigungen der Nieren im Vorfeld auf.

Die Pumpfähigkeit des Herzens lässt nach. Dies drückt sich in einer Funktionsschwäche des Muskels aus. Die Patientinnen und Patienten weisen messbare Störungen des gleichmäßigen Herzrhythmus, Herzstolpern und im fortgeschrittenen Stadium ein Vorhofflimmern auf. Kurzatmigkeit, anhaltende Übelkeit, Müdigkeit, Schwindelgefühl sowie ein zu hoher Blutdruck sind typisch für eine hypertensive Herzkrankheit.

Eines der ersten objektiv wahrnehmbaren Symptome ist die Atemnot bei stärkeren Anstrengungen, z.B. nach Treppensteigen, seelischen Erregungen, nach dem Essen usw. Ein weiteres wichtiges Symptom ist das Auftreten von vermehrtem Wasserlassen während der Nacht. Normalerweise soll tagsüber 2/3 der täglichen Gesamt-Harnmenge ausgeschieden werden. Verschiebt sich aber diese(s Gleichgewicht) Verteilung dahingehend, dass die überwiegende Harnmenge während der Nacht ausgeschieden wird, so lässt dies auf eine Herzinsuffizienz schließen. Nimmt die Herzmuskelschwäche zu, so kommt es schon bei leichten Tätigkeiten zu erheblicher Atemnot.

Des Weiteren ist hier der Stauungskatarrh der Lungen, der eine hartnäckige Bronchitis verursacht, zu benennen. Den Zustand hochgradiger Lungenstauung nennt man Lungenödem. Im weiteren Verlauf kommt es dann zur Stauung im Magen (Stauungsgastritis), zur Stauung in den Nieren (Stauungsnieren) und zur Wasseransammlung in den Beinen (Stauungsoedem). In hochgradigen Fällen greift die Wasseransammlung auch auf den Bauchraum über; es entsteht dann die Bauchwassersucht.

Die Erkrankung manifestiert sich klinisch unter anderem durch Herzinsuffizienz, Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen und den plötzlichen Herztod. Im Vordergrund stehen meistens Zeichen der Linksherzinsuffizienz, entweder in Form eines Rückwärtsversagens (Stauungslunge) oder eines Vorwärtsversagens (sinkende Auswurfleistung).

Diagnostisch stehen bei der hypertensiven Herzkrankheit die Echokardiografie des Herzens sowie die Messungen des Blutdruckes im Vordergrund.

Medikamentengestützte Therapien sind bei der HHK (Hypertensive Herzkrankheit) angezeigt. Die Arzneistoffe entstammen hier den Gruppen der ACE-Hemmer, der Kalziumantagonisten oder der Betablocker. In diese Therapie gegen die HHK werden entwässernde die Urinausscheidung erhöhende Medikamente (Diuretika), einbezogen.

Das Einpflanzen eines Herzschrittmachers gegen Vorhofflimmern, das Integrieren eines Stents oder das Implantieren eines Herz-Bypasses sind bei einer fortgeschrittenen hypertensiven Herzkrankheit ebenfalls relevant.

VORBEUGEN IST BESSER ALS HEILEN, deshalb einige TIPPS:

Die Vorbeugung gegen eine hypertensive Herzkrankheit basiert auf einem gleichmäßigen Wechsel zwischen Stress- und Erholungsphasen, regelmäßiger körperlicher Bewegung sowie  einer Senkung der Cholesterin- und Blutzuckerwerte. Raucher sollten das RAUCHEN aufgeben.

Eine fettreduzierte Ernährungsweise, Nahrungsmittel, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, und vitaminhaltige Produkte können einer HHK vorbeugen.

Im Zusammenhang damit können zur Vermeidung von negativem Stress spezielle Methoden und Entspannungstechniken hilfreich sein, um gegen eine hypertensive Herzkrankheit bewusst vorzugehen.

Die Vermeidung besonderer Risikofaktoren wie körperliches Übergewicht und von Medikamenten, welche einen hohen Blutdruck bedingen, sowie die Förderung eines ausgeglichenen Schlafs sind ebenfalls als vorbeugende Maßnahmen gegen eine HHK zu erwähnen.

Zum Kodiervorgang in der Klinik empfehlen wir eine Checkliste:

  • Liegt eine primäre Hypertonie mit oder ohne Entgleisung vor?
  • Besteht eine hypertensive Herzkrankheit?
  • Kann die Art der Herzkrankheit genau definiert werden?
  • An welche Folgeerkrankungen (außer der Beteiligung des Herzens) ist zu denken?
  • Gibt es wichtige primäre Begleiterkrankungen, die nicht unmittelbare Folge der Hypertonie sind?

Bei der Kodierung ist die ICD-10-GM zu nutzen. Bestehen bei einer Herzinsuffizienz bereits Stauungszeichen, wird diese Erkrankung auch als kongestive Herzinsuffizienz, die auf dem Boden der Hypertonie entstanden ist, mit einem eigenständigen Kode dokumentiert:

Hypertensive Herzkrankheit mit (kongestiver) Herzinsuffizienz

I11.00 Ohne Angabe einer hypertensiven Krise

I11.01 Mit Angabe einer hypertensive Krise

Hypertensive Herzkrankheit ohne (kongestive) Herzinsuffizienz

I11.90 Ohne Angabe einer hypertensiven Krise

I11.91 Mit Angabe einer hypertensive Krise

Im  Zusammenhang mit dem Kodierprozess zur hypertensiven Herzkrankheit, möchten wir auf die Deutschen Kodierrichtlinien verweisen:

0904d Hypertensive Herzkrankheit (I11.–)

Steht eine Herzkrankheit in kausalem Zusammenhang zur Hypertonie, so ist ein Kode für die Herzkrankheit (z.B. aus I50.− Herzinsuffizienz oder I51.− Komplikationen einer Herzkrankheit und ungenau beschriebene Herzkrankheit) gefolgt von I11.− Hypertensive Herzkrankheit anzugeben. Wenn für die Herzerkrankung kein anderer Kode der ICD-10-GM außer I11.− Hypertensive Herzkrankheit zur Verfügung steht, wird dieser allein kodiert.

Liegen Herzerkrankungen und Hypertonie aber ohne kausale Beziehung vor, werden Hypertonie und Herzkrankheit einzeln kodiert.

Literatur:

ICD-10-GM, Deutsche Kodierrichtlinien (DKR) , Doc Check, Wikipedia

One Response to Hypertensive Herzkrankheit

  1. Ziegler, Hartmut

    Interessanter Artikel, für mich sehr hilfreich bei der Kodierung. Danke.

     

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